The curiosity of fashion: small talk

 

Von Kathrin Eckhardt

Ein Gespräch an einer Ladeneröffnung, Premiere, Vernissage oder ähnliches in Italien:

A: „Ciao Giovanni, wie geht es dir?“
B: “Hervorragend, danke Carlo, und dir, was machen die Kinder?“
A: “Alles in Ordnung, der älteste will Fussballer werden und trainiert täglich mit seinen Kollegen. Wie war dein Wochenende?“
B: “Wir besuchten die Mutter meiner Frau in Rom, viel Wein, viel Essen, du weißt schon, bis spät in die Nacht hinein.“

Ein Gespräch an einer Ladeneröffnung, Premiere, Vernissage oder ähnliches in der Schweiz:

A: “Hallo Hans, wie läuft’s?“
B: “Ach streng hab ich es, ein riesen Stress, komme nie vor sieben Uhr nach Hause, und der Chef…“
C: “…das kennen wir, keine Wertschätzung, dabei hat der keine Ahnung, was wir täglich leisten.“
A: “Ich kann mich gerade nicht beklagen, ich habe einen super Auftrag von XZ an Land gezogen, habe mir auch den Allerwertesten dafür aufgerissen.“
B: “Gratuliere…“

In Italien wird in der Freizeit nicht übers Geschäft gesprochen, das berichtete mir ein Schweizer der in Mailand lebt und der despektierlich angeschaut wurde, als er beim Smalltalk nach der Arbeit fragte. Freizeit ist eben Freizeit und wenn gefeiert werden will, soll die Arbeit sonst wo bleiben. Das sollte man hierzulande auch einführen.

Denn ist es nicht viel angenehmer über die schönen Dinge im Leben zu sprechen? Meinetwegen über Düfte, Reisen, das neuste Kleid, Familien, feines Essen. Wer wann wieder welche Erfolge gefeiert hat und wer nun der grösste Siebensiech ist und am längsten arbeitet, interessiert nun wirklich keinen.
Denn wirklich Interessantes erfährt man ohnehin, es findet einem, wie alles Essenzielle im Leben.

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