The curiosity of fashion: embroidery

Von Kathrin Eckhardt

„Kaufen Sie noch, was es später nicht mehr gibt!“ steht auf rotem Untergrund an der Eingangstüre des Spitzenhauses an der Börsenstrasse 14 in Zürich. Die traurige Nachricht traf mich, als ich vom Bürkliplatz-Fohlmarkt in eine stille Ecke flüchten musste, denn Flohmärkte sind eine tolle Sache, aber leider auch Anziehungspunkt für wirklich spezielle Menschen. Wir flüchteten also ins Spitzenhaus und dabei traf uns im Ort der Zuflucht das nächste Ereignis mitten ins Herz. Bereits vor einem Jahr erzählten mir die Geschwister De Giacomi von der teuren Lage des Geschäfts. Nun ist es nicht mehr zu halten, das Spitzenhaus wird geschlossen.

Meine Freundin sagte, sie fühle sich im Spitzenhaus immer ein bisschen, wie sich Harry Potter im Laden der Zauberstäbe fühlen müsse. Und das trifft es genau, die Kartonschachteln sind voller Raritäten und Einzelstücke – geklöppelt, gestickt, gehäkelt. Tischtücher liegen über Untersätzen und Nachthemden zwischen Kinderkleidern. Und das aufwändige Handwerk erfühlt und sieht man sofort.

Mit dem Geschäft verschwindet nicht nur ein Laden, sondern ein weiteres Traditionshandwerk muss dem globalen Irrsinn weichen. Ich musste mich selbst an der Nase nehmen. Während dem ich das seidene Nachthemd mit bestickten Bordüren in den Händen hielt und es sich so wohlig wie die Wollsocken meines Grosvater anfühlten, fühle ich mich schlecht, nicht das unvergängliches Handwerk gekauft zu haben, sondern eine Hose von H&M mit mir zu tragen.

Mehr über das 92 jährige Geschäft, das noch bis am 22.Dezember geöffnet ist: http://www.nzz.ch/aktuell/zuerich/stadt_region/aus-fuer-spitzenhaus-1.17561813

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