Column: The curiosity of fashion: same same

 KATHRINGROSS Column: The curiosity of fashion: same sameNoch vor ein paar Jahren sprach man den Franzosen einen besonders eigenwilligen Stil zu. Ich empfand ihn als nonchalant, unkompliziert und dennoch individuell. Denkt nur an Charlotte Gainsbourg. Besuchte ich Paris, bewunderte ich den ganz eigenen Stil der Grossstadtbewohner. Da gab es beispielsweise die jungen Frauen in Blumenkleidern und groben Boots oder mit grossen Schlapphüten auf dem Kopf.

Bei meinem letzten Besuch musste ich feststellen, dass der Pariser Chic sich kaum mehr vom Chic anderer Modemetropolen unterscheidet.

Die deutsche Abiturenten-Reisegruppe sieht den einheimischen Franzosen zum Verwechseln ähnlich. Im Marais und im Montmartre begegnen einem dieselben Hipster und Vintage-Träger wie in allen grossen Städten der Welt. Sie sehen alle gleich aus. Sich modisch inspirieren lassen in Paris – das war gestern.

Hat es vielleicht damit zu tun, dass Frankreich längst nicht mehr die Grande Nation ist, die vorlebt und bestimmt, sondern heute nachahmt und kopiert? Wie konnte dieses kulturelle Erbe so einfach verschwinden? Die Streetstyle-Blogs dieser Welt sind Teil der Misere. Sie zeigen alle einen ähnlichen Stil und diktieren, was gerade „in Mode“ ist. Modebewusste Menschen orientieren sich an den Bildern, sehen sich auf dem Blog der Französin Garance Doré schlau und kopieren. Doré selbst bewegt sich nicht nur in Paris, sondern in allen grossen Modemetropolen der Welt, stets auf der Suche nach dem perfekten Look. So wird der typisch französische Stil vermischt mit typisch italienisch, deutsch oder amerikanisch. Und so werden die Stile aller Städte zu einem: dem was gerade „angesagt“ ist.

Wo ist das? Mailand, Paris oder vielleicht doch New York? (Quelle: The Sartorialist, Scott Schuman)

Bild Sartorialist Column: The curiosity of fashion: same same

 

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