Column: The curiosity of fashion: Neighbor

COLUNKAT Column: The curiosity of fashion: Neighbor

Wir haben einen neuen Nachbarn. Bemerkt wie er eingezogen ist, habe ich nicht. Ich hörte, dass etwas Neu sein musste, weil das Drehen des Schlüssels plötzlich anders als bisher vom Gang her raschelte. Und dann standen da diese Schuhe im Gang. Sie sahen aus wie ein Urklassiker. So stellte ich mir jeweils die Arbeitsschuhe meines Grossvaters in der Schlosserei vor, nur dass die Stahlkappen beim Modell des Nachbars fehlten. Da ich ihn bis anhin nicht sah, begann ich mir auszumalen, was für ein Mensch wohl solche Schuhe tragen würde und wie sein Kleidungsstil aussehen könnte. Vielleicht ein naturverbundener, junger Mann? Einer, der seinen Stil gefunden hat, denn er hat das robuste Modell gleich zweimal gekauft. Ein Öko? Jemand, der lieber einmal im Jahr etwas Solides kauft, als sieben verschiedene paar Schuhe der Mode wegen? Beim besten Willen – ich konnte mir kein endgültiges Bild machen. Am Freitagabend dann klingelte es an der Haustür. Ich öffnete in meinen geblumten Baumwollhosen, obwohl ich hörte, es musste der Nachbar sein. Ein sehr stilbewusster, junger Mann mit Vollbart, in kariertem Hemd, kurzem Blazer aus Baumwolle und umgekrempelten Jeans, die beim Knöchel endeten, stand vor mir. Er hatte diesen Working-Class Stil der amerikanischen Hersteller. Er erzählte, dass er in New York gelebt habe. Ich war überrascht und zugleich beruhigt, dass ein stilaffiner Mensch die Wohnung neben uns bezog. Und das Schuhmodell passte perfekt zu ihm. Ein modischer Mann, der genau weiss, was er anziehen möchte und sich nicht von den Launen der Mode aus dem Konzept bringen lässt.

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