Column: the curiosity of fashion: kitsch

KATHRINGROSS Column: the curiosity of fashion: kitsch

Von Kathrin Eckhardt

Ich bin eigentliche eine Gegnerin von Kitsch. Er dient zu Nichts, nimmt Platz weg und in der Zeit der Nachhaltigkeit ist er eine Konsumsünde. Meine praktisch veranlagte Mutter hat mich diesbezüglich schon in den Teenieschuhen geprägt, denn irgendwann hat sie mir liebevoll verklickert: „Ich mag praktische Geschenke.“ Also keinen kitschigen Kerzenständer oder anderer Firlifanz.

Je älter ich werde, desto besser verstehe ich, was sie damit meinte – die Mütter haben doch meistens recht.

Doch gerade entdeckte ich eine ganz spezielle Gattung von Kitsch. Die Good-Vibes-Everyday-Enlighter! Noch nie davon gehört? Das sind Alltagsgadgets mit hohem Kitschanteil. Sie erhellen durch ihr Design den Tag, verbreiten gute Stimmung und beheben Arbeitsmotivationsprobleme in null Komma nix.

Zum einen ist da mein sonnig scheinender Kopfhörer fürs I-Phone. Die Geschäftstelefonate werden dadurch seriöser und selbst bei problematischen Themen bleibt das Gemüt positiv, denn sieht man sich selbst im Spiegel mit dem gelben Erheller, grinsts. Endlich kann wieder telefoniert werden, wie es die die Sekretärinnen in den 60-er Jahre taten, den Hörer lässig zwischen Ohr und Schulter geklemmt.

Zum andern ist da noch die Sonnenbrille in Herzform. Schlechte Laune? Aufsetzen und durch die Brillengläser erscheint die Welt voller Liebe. – Kitsch hat eben doch seine Berechtigung – sorry Mama!

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