Column: The curiosity of fashion: favourite pieces

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Es gibt Kleidungsstücke, die sind verlöchert, verwaschen, verfusselt und ausgebleicht. Doch trotz all diesen Makeln kann man sie nicht in den Altkleidersack stecken. Denn wenn man sie trägt, fühlt man sich stark wie Aragon und sicher wie ein Baby im Mutterleib. Leute auf der Strasse sprechen über den alten Lumpen, doch niemals schämt man sich dafür – und wenn doch, gehören die Kleidungsstücke nicht zur Gattung, von denen ich hier schreibe. Denn es handelt sich um Lieblingsstücke.

Eines davon ist mein uralter Mantel von Comme des Garçons. Seine Geschichte macht ihn für mich so unentbehrlich. Die Schweizer Designerin Nina Van Rooijen kaufte ihn mit ihrem ersten Lehrlingslohn im Laden Roma. Nach 15 Jahren stolzem Tragen verkaufte sie den Mantel bei der Auflösung ihres Ateliers, das damals in Frauenfeld stand. Bevor der Mantel mir gehörte, sah ich die Designerin jeweils bewundernd an, wie sie mit dem damals bis zum Boden reichenden Mantel durch die Stadt schwebte. Vom ersten Augenblick an mochte ich den Fussellumpen. Und nun bekam ich die Chance, ihn selbst zu besitzen. Ich bezahlte noch 100 Franken – das war vor ungefähr sechs Jahren. Ich kürzte den Mantel nach einer Saison, weil ich beim Einsteigen ins Tram ständig über den bodenlangen Stoff stolperte. Und noch heute – auch wenn er nur noch ein Schatten seiner selbst ist – habe ich beim Tragen stets das Gefühl über die Strassen Zürichs zu schweben, wie einst Nina Van Rooijen. Und vielleicht kann ich ihn deshalb nicht weggeben, weil er ein Zauber-Mantel ist und mich zum fliegen bringt.

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