Column:The Curiosity Of Fashion: masquerade

kathrin cov Column:The Curiosity Of Fashion: masquerade

Es kommt eine verdammt graue Zeit auf uns zu. Die Ohrläppchen werden kalt, die Fingerkuppen blau, und die Beine stecken wir in dicke Wollstrümpfe. Blicke ich heute aus dem Fenster, schmücken noch ein paar bunte Blätter die Bäume, aber auch die liegen bald am Boden, werden grau und verschwinden irgendwann. Grau wird im schlimmsten Fall auch das Herz, das sich vom dicken Nebel und schnupfigen Mitmenschen verdunkeln lässt – manch einer mag sich wünschen irgendwo ganz anders, irgendjemand ganz anderes zu sein. Nichts leichter als das – einmal mehr hilft uns die Mode dabei. Eins, zwei, simsalabims können wir uns für einen Abend verwandeln. Darf es Marilyn Monroe, Super Mario oder vielleicht ein Doughnut sein? Ja ein Doughnut, so rund und weich und süss und sein Herz pumpt in rosarot. In San Francisco beispielsweise gehört das Verkleiden zum Alltag. Ich besuchte dort vor Jahren die Bootie Party im DNA Lounge Club und staunte nicht schlecht, als sich im schwarz-gelben Biene-Maja-Overall Mr. Doughnut präsentierte. Über dem Overall trug er einen überdimensionalen Ring, welcher die Süssware darstellte, tänzelte und sang und schien so frei zu sein. Aber nicht nur die Sänger und Performer auf der Bühne sind in der Nacht in San Francisco jemand ganz anderes, als sie es auf der Strasse sind. Frauen werden zu Matrosinnen und Piratinnen und Super Mario und Luigi schwangen das Tanzbein neben mir im Club. Die Menschen in der Stadt der freien Liebe wissen, wie ihr Herz rosarot bleibt und machen sich dabei höchstens Gedanken darüber, ob sie ein Doughnut mit oder ohne Zuckerguss sein möchten. Und wenn hier die graue Welle kommt, nehme ich mir genau das vor: damit mein Herz schön rosa bleibt.

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